Ethnokulturelle Kontinuität nur durch absolute Homogenität?

Eine identitäre Erwiderung (Teil 1)

­­Die Frage nach der ethnokulturellen Kontinuität des deutschen Volkes ist das Damoklesschwert des 21. Jahrhunderts. Der unmittelbar drohende Verdacht der Verfassungsfeindlichkeit erstickt jeden vertiefenden Zugang zum Thema im Keim und reduziert die Antwort auf zwei Optionen. Während die Ideologen der einen Seite jegliche Anerkennung einer auch ethnischen Komponente als protofaschistische Wegbereiter von Krieg und Völkermord kriminalisieren, verfallen die Ideologen der anderen Seite in eine völkische Gegenhaltung, die absolute ethnische Homogenität einfordert. Letztere ist weltanschaulich zwar mindestens bis in das 19. Jahrhundert zurückdatierbar, entspricht jedoch nicht der identitären Traditionslinie, die auf die Selbstverständlichkeit der Jahrhunderte referiert.

1.      Das Konzept der ethnokulturellen Identität

Der Kernbezug des Begriffes „identitär“ besteht in der ethnokulturellen Identität. Hierbei wird unterschieden zwischen der ethnischen und kulturellen Seite der Identität, sowie ihren drei Ebenen: der regionalen, nationalen und zivilisatorischen Ebene. Die zwei Seiten der Identität werden als gleichberechtigt nebeneinander begriffen: Während die ethnische Seite auf die Komponente der Herkunft verweist, stellt die kulturelle Seite die Einheit von Geschichte, Sprache, Brauchtum und Tradition dar.

Die drei Ebenen repräsentieren die kollektiven Bindungen der Menschen. Auf der regionalen Ebene ist dies die Verbundenheit mit der Heimatstadt oder Region. Dialekte, regionale Bräuche und Geschichte prägen diese Ebene der Identität im Besonderen. Die nationale Ebene meint die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk oder Staat, wobei das Bekenntnis zur nationalen Identität historisch gewachsene Minderheiten einschließt. Diese Ebene dient dem notwendigen Schutz für die Regionen und einer Einheit in Vielfalt derselben.

Die zivilisatorische Ebene (der Kulturkreis) stellt die höchste Ebene der politisch relevanten Bindungen dar. In unserem Falle ist es die europäische Zivilisation, deren Erbe bis heute das Gesicht des Kontinents prägt. Nach zwei katastrophalen Weltkriegen und angesichts der Herausforderungen durch die Globalisierung ist die Notwendigkeit einer gesamteuropäischen Zusammenarbeit offenkundig. Diese darf allerdings nicht in eine identitätsvernichtende Vereinheitlichung wie durch die EU umschlagen, sondern bedeutet ein in seiner Vielfalt geeintes Europa, das die regionalen und nationalen Identitätsebenen seiner Völker respektiert und schützt.

Die drei Ebenen der kulturellen Identität bauen wie eine Matroschka-Puppe aufeinander auf und ergänzen einander. Dabei ist – wie auch bei der ethnischen und kulturellen Seite der Identität – die Absolutsetzung einer einzelnen Ebene entschieden abzulehnen: wird eine Ebene verabsolutiert, kommt es zu einer zerstörerischen Form der Identitätsbildung, die sich im Angriff auf die anderen Ebenen äußert. Unsere ethnokulturelle Identität besteht stattdessen im fruchtbaren Zusammenspiel aller Identitätsseiten und -ebenen.

2.      Absolute ethnische Homogenität als Irrweg

Das harmonische Zusammenspiel unterschiedlicher Identitätsebenen wurde u.a. unterbrochen, als die Verabsolutierung der nationalen Identität sich gegen regionale Eigenheiten wie Dialekte richtete, radikale Assimilationsbestrebungen gegenüber historisch gewachsenen Minderheiten bedeutete oder sich chauvinistisch gegen die zivilisatorische Identitätsebene richtete. Die katastrophalsten Folgen sind jedoch auf die Verabsolutierung der ethnischen Identitätskomponente zurückzuführen, welche sich dadurch in letzter Konsequenz gegen die gewachsene ethnokulturelle Identität selbst richtete, indem sie diese totalitär gängelte und Teile aus ihr schließlich bis hin zur Vernichtung ausschloß. Die Rassentheoretiker des 19. und 20. Jahrhunderts erklärten den Menschen rein biologistisch; daraus folgten unter anderem Ideen von absoluter ethnischer Reinheit oder einer „Herrenrasse“, die zur völligen Abwertung von Teilen unserer ethnokulturellen Identität bis hin zu Verfolgung und Massenmord führten. Doch weder gibt es „reinrassige Völker“, noch ist das ein anzustrebendes Ideal. Der Begriff der ethnokulturellen Identität ist ebensowenig wie der Begriff der Ethnie mit dem Begriff der Rasse gleichsetzbar. Das Verständnis von ethnokultureller Identität im Sinne einer Einheit in Vielfalt derselben widerspricht nicht nur einer solch zerstörerischen Identitätsbildung; sie wertet die Verabsolutierung der ethnischen Komponente ebenso wie die Forderung nach absoluter ethnischer Homogenität als Attentat auf unsere Identität. Damit sehen wir uns in einer Traditionslinie, die die Selbstverständlichkeit der Jahrhunderte lange vor dem Aufkommen der destruktiven Konzepte des 19. bis 20. Jahrhunderts darstellt.

Darum ist die Behauptung falsch, dass der Begriff der ethnokulturellen Identität die ethnische Komponente als die primäre und absolute setze und per se jeglichen Einbezug Zugewanderter verleugne, selbst wenn diese die kulturelle Komponente erfüllen.­ Dieses Verständnis widerspricht nicht nur der identitären Wertschätzung für alle Identitätsseiten und -ebenen, sondern bildet ebenso wenig einen Teil der identitären Traditionslinie. Wir haben uns immer dazu bekannt: Zuwanderung gab es schon immer und wird es immer geben. Unsere Geschichte kennt zahlreiche Beispiele wie den einst baltischen Stamm der Preußen oder die aufgenommenen Hugenotten, bei denen kein Zweifel daran sein kann, dass diese längst assimilierte Teile unserer ethnokulturellen Identität darstellen und Vorbild für künftige Assimilation sind. Sie sind aber geschichtlich in diese hineingewachsen, ohne den Faden der ethnokulturellen Kontinuität zu kappen und dadurch unsere ethnokulturelle Identität auszutauschen.

In diesem Zusammenhang wird auch häufig unterstellt, dass die kulturelle Komponente unmittelbar auf die ethnische zurückgeführt und ausschließlich aus dieser heraus verstanden würde. Daraus folge, dass die ethnische Voraussetzung auf eine Art mit der kulturellen Komponente verknüpft sei, durch die Menschen ohne dieselbe ethnische Voraussetzung gänzlich aus der Kulturgemeinschaft ausgeschlossen würden. Dementsprechend sei der Begriff der ethnokulturellen Identität trotz entgegengesetzter Bekenntnisse primär über den Begriffsteil „ethno-“ bestimmt. Angesichts dessen, dass wir Ethnie wie bereits dargelegt nicht exklusiv im Sinne einer absoluten ethnischen Homogenität betrachten und wir auch in Bezug auf die kulturelle Komponente wie mehrfach betont den kulturellen Austausch bejaht haben, muss auch dieser Vorwurf als offensichtlicher Strohmann abgewiesen werden.

Der zweite Teil setzt sich mit dem Verhältnis von dem Begriff „Ethnie“ und dem Grundgesetz auseinander und verdeutlicht nochmals das Verhältnis zwischen der Forderung nach absoluter Homogenität und der totalen Verneinung ethnischer Identität, im aktuellen Zeitgeist:

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